Dreikönigssingen in Garmisch

Dreikönigsingen in der Garmischer Pfarrkirche St. Martin

Garmisch-Partenkirchen - “Jene Pflege unserer überlieferten Volksmusik mag vielen wie Anachronismus erscheinen, jedoch ist die Volksmusik ein unverzichtbarer, wichtiger Bestandteil unseres Kulturlebens in Bayern”. Marlene Lindmair vom gleichnamigen Dreigesang brachte einmal mit diesen Worten zum Ausdruck, was ihr an der unverfälschten Volksmusik liegt. Zusammen mit ihren Töchtern Constanze und Simone war die Beisitzerin des Bairisch-Alpenländischen Volksmusikvereins beim Dreikönigsingen in der Pfarrkirche St. Martin in Garmisch zu hören. Mit vielen weiteren namhaften Gruppen, die über 90 Minuten mit ihren stimmigen Liedern und Weisen die ganze Freude des Weihnachtsfestes musikalisch vermittelten. In seinem Grußwort bemerkte Pfarrer Josef Konitzer die Kostbarkeit des Erlebens solcher Augenblicke. “Hier stehen Frauen und Männer dahinter, dass die bayerische Seele zum Ausdruck gebracht wird – mit der Botschaft, mit der auch diese Kirche errichtet wurde. Denn Musizieren und Singen ist auch Nahrung für die Seele!” Nach dem Auftakt durch die Ziach-Zupf-Bläser war Elisabeth Wörle an der Soloharfe zu hören, ehe es die Überleitung zur Murnauer Geigenmusi, dem Haushamer Bergwachtgsang, der Boarischen Almmusi zum Lindmair-Dreigsang gab. Der Mittenwalder Manfred Wörnle versuchte bei seinen verbindenden Worten, etwas Licht ins Dunkel jener Weisen aus dem Morgenland zu bringen. “Sie geben heute noch Rätsel auf!” Denn Deutungen gibt es viele: Sterndeuter, Magier, standen sie für die verschiedenen Lebensalter? Repräsentierten sie die damals bekannten Erdteile? Auch der Stern selbst, der Komet mag in unserem Leben nicht mehr die Rolle zu spielen. Bemerkenswert-kritisch daher auch Wörndle`s Schlussfolgerung: “Heute finden viele trotz bester Ausleuchtung nicht mehr den Weg zur Krippe.” Es war still in der Pfarrkirche, die über 500 Besucher im Gotteshaus folgten andächtig den Sängern, Bläsern und Streichern. Und im Mittelpunkt standen immer jene Drei Könige, die in der Volksgläubigkeit fest verankert sind. Fein, zart, gefühlsbetont die Abfolge, die Abstimmung der Stückl und Lieder waren wie aus einem Guss. Und die sinnigen, zum Nachdenken anregenden Texte von Wörndle ergänzten das geglückte Dreikönigsingen auf ganz besondere Weise. Dann war wieder Elisabeth Wörle aus Kochel an der Konzertharfe zu hören, ehe die Lindmair`s gekonnt a`capella noch einen Jodler zum Besten gaben. Und dass der Wunsch bestand auf den (verdienten) Applaus zu verzichten und dafür die Stille des Singens mit nach Hause zu tragen, wurde vom dankbaren Publikum gerne akzeptiert. Dafür läuteten die Kirchenglocken. Und der Bairisch-Alpenländische Volksmusikverein hat mit dieser hochkarätigen Veranstaltung bewiesen, dass man mit namhaften Gruppen, einer guten Moderation  und viel Gespür bei der Zusammenstellung auch nach den vielen Weihnachtsgottesdiensten den Kirchenraum ein weiteres Mal füllen kann.
 
Klaus Munz, Garmisch-Partenkirchner Tagblatt